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Galerie vor Ort

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GALERIE VOR ORT | 16.5.2005 | Kommentare (1)

 

2.6.2005, 20 Uhr: BRUNO SCHWEBEL (4066 Besucher)

Unter dem Titel "TIERRAS DE MÉXICO" zeigt die Galerie vor Ort vom 2. bis 25. 6. Arbeiten von Bruno Schwebel.

Zur Eröffnung der Ausstellung hält Dr. Konstantin Kaiser (Theodor Kramer Gesellschaft) einen kurzen Vortrag über das Exil in Mexiko.


Bruno Schwebel, geboren 1928 in Wien, flüchtete er mit den Eltern 1938 nach Frankreich, 1941 nach Portugal und kam 1942 nach Mexiko. 1942-44 studierte er Buchgraphik an der Escuela de Artes del Libro (Schule der Buchkunst), 1947-50 besuchte er die Technische Hochschule in México, D.F. Dipl.Ing. Elektronik. Seit 1950 im Hauptberuf Fernsehtechniker. 1958 erste Ausstellung eigener graphischer Arbeiten (1. Preis der Feria de Las Flores de San Angel). 1959 Schachmeister von México, D.F. Schwebel begann in den 1970er Jahren zu schreiben; Veröffentlichung zahlreicher Kurzgeschichten in spanischer Sprache, die er selbst auch ins Deutsche übertrug. Zweimal erhielt er von der Tageszeitung El Nacional den 1. Preis für die "Kurzgeschichte der Woche". Seit 1971 Mitwirkung an der englischsprachigen Theatergruppe Theater Workshop. 1981 erfolgreicher Auftritt als Schauspieler in Edinburgh (GB) in dem Einpersonenstück "Madman's Diary" nach der Erzählung "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen" von Nikolai Gogol. Als Schauspieler in zahlreichen Film- und Fernsehrollen engagiert, vor allem in Kriminalstücken und Fernsehserien. Daneben seit 1983 Ziehharmonika-Spieler einer Folklore-Gruppe. Bruno Schwebel lebt in México, D.F.

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Einführung von Dr. Konstantin Kaiser (anlässlich der ersten Vernissage im Herbst 2004)

Bruno Schwebels Ölbilder sind keine Geschöpfe des flüchtigen Augenblicks, keine Impressionen, sondern beruhen gewissermaßen auf einer Dokumentation: auf der Erinnerung an das frühere Gesicht der Landschaft, auf ihrer wiederholten Begehung, auf Fotos und Zeichnungen. Es ist die Erde Mexikos, seine Berge, Pflanzen, Küsten, Häuser, Wasser, die er in seinen Bildern aneignet und verewigt, als etwas, das gefährdet, von Zerstörung bedroht ist.

In Wahrheit besteht die Erde für den, der sie begeht, nie aus den großen Einheiten, die die Maler der Alpen seit der Romantik zu einer Anschauung des Erhabenen, sich menschlicher Macht Entziehenden zusammengefaßt haben. In Wahrheit herrscht stetiger Wechsel der großen und kleinen Perspektiven. Und so sehen wir auf Bruno Schwebels Bildern das Grobe und das Zarte, das Massige und das Filigrane, die weite Kälte des Himmels und die Wärme einer kleinen Senke zusammengedrängt.

Geduldig schaut der Maler in seinem fertigen Bild auf die Landschaft. Bruno Schwebels Blick ist nicht der lange geduldige Blick, von dem Theodor W. Adorno spricht, ein Blick auf die unwillkürliche Veränderung des Gegenstandes, ein Wahrnehmen der spontanen Dialektik ohne Verzerrung durch den Eingriff des Schauenden. Bruno Schwebels Blick ist dem langen geduldigen Blick verwandt, ein Auge ist es voll Melancholie über das Vergehen, in dem doch die Freudenfunken über das Daseiende tanzen. Dieser Blick bleibt an der Landschaft haften mit dem stillen, eindringlichen Wunsch: Liebe zerbrechliche, zerstörbare Welt, schau dich mit meinen Augen selbst an, mit meinen Maleraugen, und sieh, wie schön du bist in deiner Trockenheit und im Glanz deiner Wasser.