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Portraits

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16.8.2005 | Kommentare (0)

 

Edeltraud Rotter - ehem. Volksschuldirektorin in der Brigittenau (7586 Besucher)

Edeltraud Rotter hat eine ereignisreiche Lebensgeschichte (siehe Download: Lebenslauf) als Lehrerin und Direktorin. Sie wohnte im 9. Bezirk und arbeitete in der Brigittenau. Weiters engagierte sie sich in der Erwachsenenbildung und bei den Kinderfreunden. Nach ihrer Pensionierung 1981 unterrichtete Frau Rotter in China Deutsch. In Anbetracht ihres Alter ist es ihr wichtig, sich nicht fallen zu lassen und das Interesse am Leben wach zu halten. Frau Rotter ist 2003 ins Pensionistenwohnhaus Augarten gezogen.

Wie alt sind Sie?
85 Jahre

Seit wann leben Sie im Haus Augarten?
Ich wohne hier seit vier Jahren.

Wo sind Sie geboren?
In Pölling, Kärnten.

Erklären Sie kurz Ihre Lebenssituation.
Nach meiner Pensionierung 1981 habe ich in China an der Universität Wuhan zwei Mal drei Semester Deutsch unterrichtet. Der Leiter der Deutschabteilung - Herr Ma Wedschi ist heute 100 Jahre alt - hat mich eingeladen. Er studierte in Wien und spricht ausgezeichnet Deutsch. Ich habe heute noch Kontakte mit Leuten von der chinesischen Botschaft, die damals auch bei mir studiert haben. Bis auf das, das meine Füße nicht mehr richtig mitmachen, geht es mir gut und die Tage fliegen dahin. Mit der Versorgung im Pensionistenwohnhaus bin ich sehr zufrieden.

Womit starten Sie den Tag?
Mit Duschen und anschließendem Frühstück.

Wie sind Ihre Tage strukturiert?
1-2 Mal in der Woche mache ich Besorgungen. Ich bekomme viel Besuche und seit einiger Zeit gönne ich mir einen kurzen Mittagsschlaf. Ich lese gerne und mache Handarbeiten für meine Enkelkinder.

Was haben Sie beruflich gemacht?
Ich habe eine Ausbildung zur Volksschullehrerin und 1939 zu unterrichten begonnen. 1949 bin ich Direktorin an der VS Siebenhirten geworden. Dort war ich vier Jahre und bin dann an die VS Leystraße in der Brigittenau gekommen, wo ich bis zu meiner Pensionierung geblieben bin. Ich bin Oberschulrat geworden und war auch in der Disziplinarkommission tätig.

Wie war Ihr Verhältnis zu Ihren KollegInnen?
Immer sehr gut.

Was war Ihr erstes Passwort am Computer?
Mit dem Computer habe ich nichts zu tun.

Was kann Sie in Rage versetzen?
-

Haben Sie einen Kurznamen?
Traudl

Wie haben Sie Ihre Pensionierung erlebt?
Für mich war das kein Problem. Ich bin gleich nach China gegangen und es war sehr interessant, diese Kultur kennen zu lernen.

Was war Ihre Arbeitsdevise?

Ich habe ein starkes Durchhaltevermögen.

Was erwarten Sie von Ihren Mitmenschen?
Verständnis

Welches ist Ihr Lieblingsgerät?
Das Telefon ist wichtig.

Welche Bedeutung hat Arbeit für Sie?
Die Arbeit ist immer im Mittelpunkt meines Lebens gestanden. Mir war wichtig, den Menschen, mit denen ich zu tun hatte, ein Gefühl für Menschlichkeit zu vermitteln.

Welche Bedeutung hat Geld für Sie?
Dass man es hat. Meine Selbstständigkeit war mir immer wichtig.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung in Ihrer Freizeit?
Lesen, spazieren gehen, mit Leuten reden, die ich mag.

Was wünschen Sie sich für Ihr Leben?
Ich habe das Leben so ziemlich ausgeschöpft. Ich würde gerne wissen, wie sich meine Enkeln und Urenkeln entwickeln und was sie einmal machen werden.

Sind Sie politisch interessiert?
Ich bin 1945 der Sozialistischen Partei beigetreten und war bei den Kinderfreunden aktiv. Die Partei hat sich verändert, was ein normaler Prozess ist. Das soziale Engagement war mir immer wichtig.

Wie sehen Sie die Europäischen Union?
Die EU ist in einer Krise, die sich auf die einzelnen Länder ausdehnen wird. Das ist derzeit eine schwierige Situation.

Wie beurteilen Sie das Viertel/Grätzel, in dem Sie leben?
Ich gehe manchmal in den Augarten und vor zur Taborstraße. In den letzten 20 Jahren hat sich viel verändert. Ein Gefühl des Nebeneinander ist entstanden. Mir scheint, dass sich die Menschen weniger zugehörig fühlen. Die jungen Leute denken in erster Linie an ihr Wohlbefinden und gehen ihre eigenen Wege. Mir tut es leid, dass das Wir-Gefühl weniger ausgeprägt ist, aber das bringen wohl die Anforderungen der Zeit an die Familie mit sich.


 

 

16.08.2005
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